ASML: Kann der Chipausrüster die Flut an Aufträgen überhaupt bewältigen?

Die Sorge um ein vorzeitiges Ende des KI-Booms hat die Chipbranche in der Woche ab dem 12. Oktober kräftig durchgeschüttelt. Mitten in diese Nervosität hinein hat ASML (ISIN: NL0010273215) am 14. Oktober 2026 Zahlen vorgelegt, die das Bild deutlich aufhellen. Der Hersteller von Lithografiemaschinen, mit denen feinste Strukturen auf Siliziumscheiben belichtet werden, steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal um mehr als die Hälfte auf rund 11,7 Milliarden Euro. Der Gewinn verdoppelte sich auf etwa fünf Milliarden Euro. Damit trafen die Ergebnisse ziemlich genau die Erwartungen der Analysten am Markt.

Kunden von ASML bestellen schon für 2030

Spannender als das abgelaufene Quartal ist der Ausblick. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet ASML nun mit einem Umsatz von mindestens 44 Milliarden Euro, bisher lag das untere Ende der Spanne bei 43 Milliarden Euro. Das entspräche einem Plus von mehr als einem Drittel. Einige Kunden interessieren sich laut Konzernchef Christophe Fouquet bereits für Bestellungen für 2029 und sogar 2030. Weil zwischen Auftrag und Auslieferung mehr als ein Jahr vergeht, gelten solche Aussagen als Gradmesser für die ganze Branche.

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Treiber sind die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Schlüsselkunde TSMC will in diesem Jahr 60 bis 64 Milliarden Dollar in neue Werke und Anlagen stecken, nach knapp 41 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Auch Samsung investiert kräftig. Im dritten Quartal verkaufte ASML 17 seiner EUV-Systeme, die mit extrem kurzwelligem Licht arbeiten.

Ein Engpass mit zwei Seiten

Fouquet warnt allerdings vor Lieferengpässen. Mit den bisher geplanten Kapazitäten wird ASML die Nachfrage in den Jahren 2027 und 2028 nicht vollständig bedienen können. Der Konzern prüft deshalb, die Fertigung für 2028 stärker auszubauen als um die bislang angekündigten 30 Prozent. Ein zweiter Industriecampus ist im Bau, dessen erster Abschnitt 2029 fertig sein soll.

Auf den ersten Blick ist das ein Luxusproblem, denn volle Auftragsbücher sichern Planbarkeit und stärken die Verhandlungsposition. Wer aber nicht liefern kann, verschenkt Umsatz und riskiert, dass Kunden ihre Projekte strecken. Für Anleger stellt sich daher die Frage, wie schnell ASML die Kapazitäten tatsächlich hochfahren kann.

Warum der Markt trotzdem nervös bleibt

Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 64 Prozent zugelegt und ASML zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht. In den Tagen vor den Zahlen war der Kurs jedoch deutlich gefallen. Auslöser war der Chef von Broadcom, der vor überzogenen Erwartungen an künstliche Intelligenz und vor Finanzierungsproblemen beim Ausbau gewarnt hatte. Hinzu kommt China, das 2026 rund ein Fünftel zum Umsatz beitragen dürfte und politisch ein Risikofaktor bleibt.

Die neue Prognose liefert den Skeptikern ein starkes Gegenargument. Ob der KI-Boom bis ins nächste Jahrzehnt trägt, kann aber auch ASML nicht garantieren. Bestellwünsche für 2030 sind schließlich noch keine festen Aufträge.

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