Linde: Der unterschätzte Gewinner des KI-Booms?

Wer am Ausbau der künstlichen Intelligenz verdienen will, denkt zuerst an Chipentwickler wie Nvidia oder an Ausrüster wie ASML. Ein Gasekonzern steht selten auf dieser Liste. Dabei kommt keine moderne Chipfabrik ohne hochreine Gase aus. Linde (ISIN: IE000S9YS762), der weltweit größte Anbieter von Industriegasen, sichert sich mit mehrjährigen Lieferverträgen einen festen Platz in dieser Wertschöpfungskette. Das macht die Aktie für manche Marktbeobachter zu einer interessanten Möglichkeit, am Halbleiterboom teilzuhaben, ohne sich die typischen Schwankungen reiner Technologiewerte ins Depot zu holen.

Was Linde mit Chipfabriken zu tun hat

Bei der Herstellung von Halbleitern werden Stickstoff, Argon, Wasserstoff und Spezialgase in außergewöhnlicher Reinheit benötigt. Schon kleinste Verunreinigungen können die winzigen Strukturen auf den Siliziumscheiben unbrauchbar machen. Linde liefert diese Gase häufig über eigene Anlagen direkt am Standort der Kunden und bindet sie über langlaufende Verträge an sich.

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Für Anleger hat dieses Modell einen besonderen Reiz. Es verbindet verlässliche Mittelzuflüsse, wie man sie von defensiven Industriewerten kennt, mit dem Rückenwind eines der stärksten Wachstumsthemen am Markt. Allein die weltweiten Ausgaben für moderne Chipmaschinen sollen in diesem Jahr nach Schätzung des Branchenverbands Semi um 31 Prozent steigen. Jede neue Fabrik braucht auch einen Gaslieferanten.

Linde hängt die Konkurrenz ab

An der Börse zeigt sich das bereits. Über drei Monate hat die Linde-Aktie rund fünf Prozent zugelegt, während Wettbewerber und Branchennachbarn wie Air Products, Sherwin-Williams, Dow und DuPont im gleichen Zeitraum Verluste verbuchten. Dabei gehörte die Rohstoff- und Chemiebranche im vergangenen Monat zu den schwächeren Sektoren im S&P 500.

Dennoch notiert die Aktie noch etwa elf Prozent unter ihrem Hoch der vergangenen zwölf Monate. Nach einem Rückschlag ab Anfang Juli stabilisierte sich der Kurs Mitte September bei deutlich erhöhten Umsätzen. Seitdem hat sich die Aktie wieder über wichtige gleitende Durchschnitte geschoben, die Charttechniker als Trendsignale nutzen. Auf Wochenbasis gehört dazu auch die 50-Wochen-Linie.

Wie viel Luft hat die Linde-Aktie?

Analysten stufen die Aktie im Schnitt mit Kaufen ein, ihre durchschnittlichen Kursziele liegen etwas mehr als zehn Prozent über dem aktuellen Niveau. Ein Chartanalyst hält bis Mitte 2027 sogar einen Anstieg um rund ein Drittel für möglich. Solche Projektionen beruhen allerdings auf Kursmustern und sind keine Gewissheit.

Zudem ist Linde kein billiger Wert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis, also der Börsenwert im Verhältnis zum Jahresgewinn, liegt über 30. Ein Großteil der Gasnachfrage hängt außerdem an der allgemeinen Industriekonjunktur. Die Aktie steht damit vor allem für Stabilität, ergänzt um einen Wachstumsimpuls aus dem Chipgeschäft. Für Anleger, die Beständigkeit mit etwas Zukunftsfantasie verbinden möchten, dürfte der Gasekonzern deshalb auf dem Radar bleiben.

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