Johnson & Johnson hebt die Prognose, warum jubelt die Börse nicht?

Johnson & Johnson (ISIN: US4781601046) hat zum Auftakt der Berichtssaison im Gesundheitssektor ordentliche Zahlen vorgelegt. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag im dritten Quartal über den Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg um knapp sechs Prozent auf gut 25 Milliarden Dollar und traf damit die Prognosen. Zudem hob das Management den Gewinnausblick für das Gesamtjahr an. Trotzdem gab die Aktie vorbörslich nach. Der Grund steckt im Detail der beiden großen Sparten.

Pharma zieht den Karren

Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten wuchs um fast acht Prozent. Besonders gefragt war das Mittel Tremfya gegen Autoimmunerkrankungen, dessen Umsatz um rund zwei Drittel zulegte. Das ist wichtig, denn Tremfya soll den bisherigen Kassenschlager Stelara ablösen. Dessen Patentschutz läuft nach und nach aus. Ähnlich kräftig wuchs das Psychopharmakon Caplyta. Hier treiben neue Anwendungen die Verschreibungen an, etwa als Zusatztherapie bei Depressionen. Der Generationswechsel im Portfolio scheint also zu gelingen.

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Baustelle Medizintechnik bei Johnson & Johnson

Deutlich schwächer lief es in der Medizintechnik. Die Sparte wuchs nur um 2,5 Prozent und verfehlte die Umsatzerwartungen. Dabei blieben alle vier Bereiche hinter den Prognosen zurück, also Herz-Kreislauf, Orthopädie, Chirurgie und Augenheilkunde. In der Chirurgie gingen die Erlöse sogar leicht zurück. Der Konzern kündigte gezielte Maßnahmen an und hält an seinem Ziel fest. Bis zum Ende des Jahrzehnts soll die Sparte zweistellig wachsen. Das klingt ambitioniert, zumal davon aktuell wenig zu sehen ist. Anleger dürften daher genau verfolgen, welche Schritte nun folgen.

Orthopädie vor dem Abschied?

Einen ersten Hinweis gab es bereits. J&J prüft eine Abspaltung des Orthopädiegeschäfts. Schon früher im Jahr hatten Berichte die Runde gemacht, wonach der Finanzinvestor Apollo für rund 20 Milliarden Dollar Interesse zeigt. Eine Trennung könnte die Medizintechnik schlanker und wachstumsstärker machen. In die neue Prognose fließen außerdem der Kauf des Biotech-Unternehmens Firefly Bio und eine neue Forschungskooperation ein. Hinzu kommt eine Einmalbelastung für die geplante Beilegung der Talkum-Klagen. Damit könnte ein langjähriges juristisches Risiko bald ein Ende finden.

Die Zahlen von J&J gelten als Gradmesser für die gesamte Branche. Noch in diesem Monat berichten Novartis, Merck und AbbVie. Für Anleger bleibt der Konzern ein solider Basiswert mit einer starken Pharmasparte. Die Kursschwäche ist vor allem eine Mahnung an die Medizintechnik, wieder zu liefern.

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