Glencore und BHP verhandeln: Wer macht den besseren Deal? 

Manchmal dauert es Jahre, bis klar wird, wer bei einer Fusion wirklich gewonnen hat. Als BHP und Billiton 2001 fusionierten, zeigte erst der spätere Eisenerz-Boom, dass BHP profitierte. Rio Tintos Alcan-Übernahme 2007 erwies sich als Fehler.

Jetzt verhandeln Rio Tinto und Glencore erneut über einen Zusammenschluss. Die zentrale Frage lautet: Wer sitzt diesmal am längeren Hebel?

Der Händler trifft auf den traditionellen Bergbaukonzern

Glencore ist kein gewöhnlicher Minenkonzern. Das Unternehmen stammt aus dem Rohstoffhandel. Die DNA des Konzerns besteht darin, Preise zu machen statt zu nehmen. Glencore weiß, wer welche Rohstoffe dringend braucht und wo Engpässe entstehen. Diese Expertise prägt die Unternehmenskultur bis heute.

Ivan Glasenberg verkörpert diese Philosophie. Der ehemalige Chef hält zehn Prozent an Glencore. Kompromisse sind nicht seine Stärke.

Rio Tinto funktioniert anders. Der Konzern betreibt klassischen Bergbau. Effizienz und Skaleneffekte stehen im Vordergrund. Ein Zusammenschluss würde zwei sehr unterschiedliche Welten vereinen.

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Drei Rohstoffe bestimmen die Verhandlungen

Die industrielle Logik der Fusion dreht sich um drei Materialien. Kupfer verbindet beide Seiten. Eisenerz und Kohle trennen sie. Diese Konstellation bestimmt die Verhandlungsmacht.

Rio Tinto erwirtschaftet 70 Prozent seines Gewinns mit Eisenerz. Die Margen liegen über 65 Prozent. Doch China erreicht den Nachfragepeak bei Stahl. Gleichzeitig bringt Rio eine kostengünstige Mine in Westafrika in Produktion. Die Preise dürften fallen. Rios profitabelste Sparte verliert an Glanz.

Glencore kämpft mit dem gegenteiligen Problem. Kohle steuert 40 Prozent zum Bergbau-Gewinn bei. Das Geschäft wirft viel Cash ab. Aber Investoren bestrafen fossile Brennstoffe mit Bewertungsabschlägen. Glencore könnte Kohle abspalten, ist dafür aber zu schwach. Ohne diese Einnahmen würde der Konzern besonders in Krisen leiden.

Kupfer bietet beiden die Lösung. Rio bekommt Zugang zu erstklassigen Vorkommen und kann schneller wachsen als durch eigene Minenprojekte. Neue Minen zu entwickeln dauert Jahre und verschlingt Milliarden. Glencore erhält einen Partner, der stark genug ist, um gemeinsam Kohle abzustoßen. Die kombinierte Kupfersparte wäre vermutlich die beste der Branche. Das Timing passt perfekt zur Elektrifizierung der Weltwirtschaft.

Die Bewertungslücke als Machtfaktor

Rio Tinto ist etwa doppelt so groß wie Glencore. Der Bewertungsunterschied liegt bei rund 50 Milliarden Dollar. Das verschiebt die Machtverhältnisse deutlich. Im Jahr 2022 betrug die Lücke nur zehn Milliarden Dollar.

Die relative Schwäche von Glencore hat zwei Ursachen. Der Kohleabschlag drückt auf die Bewertung. Gleichzeitig hat Rio in den vergangenen Jahren besser abgeschnitten. Für eine Aktientransaktion bedeutet das: Rio-Aktionäre würden einen größeren Anteil am fusionierten Unternehmen erhalten als noch vor zwei Jahren.

Trotzdem braucht Glencore den Deal vermutlich stärker. Das Unternehmen hängt ein „Zu verkaufen“-Schild an die Tür, sobald es ernsthafte Gespräche aufnimmt. Alternative Käufer gibt es kaum. BHP interessiert sich ebenfalls für Kupfer, würde aber wohl nur Teile von Glencore übernehmen wollen.

Neue Führung ändert die Dynamik

Ein personeller Wechsel könnte den Ausschlag geben. Simon Trott übernahm im August 2024 als CEO bei Rio Tinto. Sein Vorgänger Jakob Stausholm war Übernahmen gegenüber skeptisch eingestellt. Trott zeigt sich offener für strategische Transaktionen. Die Branche befindet sich im Umbruch.

Diese Veränderung erklärt das erneute Interesse. Die Gespräche im Herbst 2024 scheiterten noch unter Stausholm. Trott scheint bereit, die Fusion voranzutreiben. Allerdings wird er genau kalkulieren müssen, welchen Preis Rio zahlen kann. Die Aktionäre werden kritisch prüfen.

Analysten schätzen mögliche Synergien auf zehn Milliarden Dollar. Das entspricht etwa fünf Prozent der kombinierten Marktkapitalisierung. Die Einsparungen entstünden vor allem durch Straffung der Verwaltung. Doch die Integration wäre komplex.

Was der Deal für Aktionäre bedeutet

Die Fusion ist keineswegs sicher. Die Umsetzung könnte verschiedene Formen annehmen. Eine Komplettübernahme wäre strukturell am klarsten, aber integrativ schwierig. Alternativ könnten Eisenerz und Kohle gebündelt werden, während Buntmetalle separat notieren.

Für Glencore-Aktionäre winkt eine Prämie. Der Kurssprung von über elf Prozent zeigt die Erwartungen. Rio-Investoren müssen das strategische Potenzial gegen Risiken abwägen.

Die Verhandlungen dürften sich hinziehen. BHP könnte intervenieren und den Preis hochtreiben. Glasenberg wird hart verhandeln. Seine Reputation als scharfer Geschäftsmann steht auf dem Spiel.

Wer letztlich den besseren Deal macht, wird erst in Jahren klar sein. Die Rohstoffpreise werden entscheiden. Entwickelt sich Kupfer zum Superstar der Energiewende, profitiert Rio. Bleiben Kohlepreise stabil, hätte Glencore zu früh verkauft.

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