CoreWeave: Wer zahlt die Miete, wenn Kunden weiterziehen?

Bei CoreWeave (ISIN: US21873S1087) wächst das Auftragsbuch in einem Tempo, das selbst in der KI-Branche auffällt. Der Cloudanbieter vermietet Rechenleistung auf Basis von Nvidia-Chips an Entwickler von KI-Modellen. Ende Juni lag der Auftragsbestand bei 104,2 Milliarden Dollar, bis Mitte August kamen nach Unternehmensangaben mehr als 25 Milliarden Dollar an neuen Zusagen hinzu. Allein diese sechs Wochen brachten mehr Aufträge als der gesamte Bestand Ende 2024. Trotzdem notiert die Aktie weit unter ihrem Rekordhoch vom Oktober des Vorjahres. Ein Grund dafür sind die langfristigen Mietverpflichtungen.

CoreWeave hat mehr Nachfrage als Kapazität

Vom fest vertraglich gesicherten Teil des Auftragsbestands sollen rund 42,5 Milliarden Dollar bis Mitte 2028 zu Umsatz werden. Das entspricht etwa 21 Milliarden Dollar pro Jahr und liegt weit über der Umsatzprognose für 2026 von 12,4 bis 13,2 Milliarden Dollar. Das Tempo bestimmt also vor allem der Bau neuer Rechenzentren.

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Auch die Abhängigkeit von einzelnen Kunden ist gesunken. Der größte Kunde stand im zweiten Quartal für 36 Prozent des Umsatzes, ein Jahr zuvor waren es noch 71 Prozent. Als Anfang Oktober Berichte über geringere Umsätze bei OpenAI kursierten, fiel die Aktie dennoch um fast acht Prozent. Zudem erhöhte CoreWeave im Juli die Preise um rund ein Viertel.

Günstigeres Geld trotz Zinserhöhung

Bei der Finanzierung hat sich das Bild ebenfalls aufgehellt. Mitte September platzierte CoreWeave eine Wandelanleihe über 4,2 Milliarden Dollar mit einem Kupon von 2,875 Prozent. Gläubiger können solche Anleihen später in Aktien tauschen, weshalb sie niedrig verzinst sind. Das Volumen wurde trotz einer Zinserhöhung der US-Notenbank am Vortag deutlich aufgestockt. Gegenüber älteren Anleihen mit 9,75 Prozent spart CoreWeave rechnerisch fast 300 Millionen Dollar Zinsen im Jahr.

Der durchschnittliche Zins auf die Schulden sank von 14,9 Prozent im Jahr 2023 auf zuletzt 8,3 Prozent. Dennoch erreichte der Zinsaufwand im zweiten Quartal mit 640 Millionen Dollar etwa das Fünffache des bereinigten operativen Gewinns. Die Gewinnschwelle bleibt damit vorerst außer Reichweite.

Mietverträge laufen länger als Kundenverträge

Der heikelste Punkt sind die Mieten für Rechenzentren. Ende Juni summierten sich die künftigen Verpflichtungen auf 64,6 Milliarden Dollar, davon 35,5 Milliarden für Verträge, die noch nicht begonnen haben und deshalb nicht in der Bilanz auftauchen. Das ist etwa das 1,8-Fache der Finanzschulden, während das Eigenkapital bei rund fünf Milliarden Dollar liegt. Zudem laufen die Mietverträge im Schnitt noch etwa zwölf Jahre, die vertraglich gesicherten Umsätze fließen dagegen zu 80 Prozent innerhalb von vier Jahren zu.

CoreWeave muss also darauf setzen, dass Kunden ihre Verträge zu ähnlichen oder höheren Preisen verlängern. Erste Anzeichen sprechen dafür, so mietet ein Kunde ältere Nvidia-Chips zu einem höheren Preis für drei Jahre weiter. Die Quartalszahlen im November dürften zeigen, ob die höheren Preise Bestand haben.

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