Die Wall Street hat die US-Zwischenwahlen mit einem kräftigen Kursfeuerwerk quittiert. Nachdem die Demokraten die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses errungen hatten, schloss der Dow Jones gestern mit einem Plus von 3,03 Prozent, der S&P 500 gewann 1,58 Prozent. Gleichzeitig rutschte der Ölpreis um mehr als acht Prozent ab, die Sorte Brent fiel deutlich unter 100 Dollar je Barrel. In Asien zeigte sich am Morgen ein gemischtes Bild, denn der Nikkei verlor rund zwei Prozent, während der Hang Seng um gut drei Prozent zulegte. Für den DAX deuteten die vorbörslichen Taxen auf einen freundlichen Start am 5. November hin, der Rekord vom August rückt damit in greifbare Nähe. Ausgerechnet die erfolgsverwöhnten Rüstungswerte liefern dabei die gemischtesten Signale des Morgens.
Rheinmetall bremst, Hensoldt und Renk füllen die Bücher
Rheinmetall (ISIN: DE0007030009) hat am gestrigen Abend seine Jahresziele gesenkt. Der Konzern rechnet für 2026 nur noch mit rund 13,2 Milliarden Euro Umsatz statt zuvor 13,7 bis 14,2 Milliarden, die operative Marge soll bei etwa 18,5 statt rund 19 Prozent liegen. Als Gründe nennt das Unternehmen Verzögerungen beim Boxer-Projekt Arminius und bei der Abnahme von Artilleriemunition. Den Arminius-Auftrag erwartet Rheinmetall nicht mehr in diesem Jahr. Dabei war das dritte Quartal operativ ordentlich: Der Umsatz stieg um knapp ein Drittel auf 3,15 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um 62 Prozent auf 553 Millionen Euro. Die Marge von 17,5 Prozent lag sogar über den Erwartungen der Analysten. Nachbörslich gab die Aktie dennoch spürbar nach. JPMorgan zählt die fünfte Umsatz- oder Gewinnwarnung binnen elf Monaten und senkte das Kursziel. Damit steht die Frage im Raum, wie belastbar die langfristigen Ziele sind. Antworten soll der Kapitalmarkttag am 27. November liefern.
Ganz anders klingt es bei Hensoldt (ISIN: DE000HAG0005). Der Sensorspezialist steigerte den Auftragseingang in den ersten neun Monaten um fast 77 Prozent auf 3,56 Milliarden Euro, der Auftragsbestand erreichte mit 10,4 Milliarden Euro einen Rekord. Der Umsatz wuchs um gut 21 Prozent, das bereinigte EBITDA um 33 Prozent auf 281 Millionen Euro. Das Management erwartet nun rund 2,8 Milliarden Euro Umsatz statt 2,75 Milliarden und eine bereinigte EBITDA-Marge von etwa 19 Prozent.
Auch Renk (ISIN: DE000RENK730) meldet volle Auftragsbücher. Der Getriebehersteller holte in neun Monaten Bestellungen über 1,66 Milliarden Euro herein, ein Plus von 33,6 Prozent, und kommt auf einen Rekordbestand von 7,6 Milliarden Euro. Die bereits Ende Oktober gesenkte Prognose für das fortgeführte Geschäft von rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz bleibt bestehen. Neue Impulse dürfte erst das Strategie-Update am 8. Dezember liefern.
Telekom erhöht die Dividende, Commerzbank verfehlt knapp
Die Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508) bleibt ihrem Ruf als verlässlicher Lieferant treu. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz um 7,5 Prozent auf 31,1 Milliarden Euro und lag damit über den Schätzungen. Das bereinigte EBITDA AL, also das operative Ergebnis nach Leasingkosten, stieg um fast zehn Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Der Konzern hebt seine Jahresziele leicht an und plant für 2026 eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie, zehn Prozent mehr als zuvor. Für 2027 kündigt er zudem Aktienrückkäufe von bis zu zwei Milliarden Euro an.
Die Commerzbank (ISIN: DE000CBK1001) steigerte ihren Quartalsgewinn um gut 45 Prozent auf 859 Millionen Euro und blieb damit knapp unter den Erwartungen. Das Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 hat Vorstandschefin Bettina Orlopp bestätigt. Beim Zinsüberschuss rechnet die Bank wegen des härteren Wettbewerbs um Einlagen allerdings nur noch mit 8,5 statt 8,6 Milliarden Euro. Über allem schwebt weiter das Übernahmeinteresse der Unicredit, während der Bund mit gut 13 Prozent beteiligt bleibt.
Siemens Healthineers und Qualcomm dämpfen die Stimmung
Siemens Healthineers (ISIN: DE000SHL1006) hat das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem vergleichbaren Umsatzplus von vier Prozent auf 23,63 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Ausblick fällt aber verhalten aus, denn für 2026/27 plant der Medizintechnikkonzern nur vier bis fünf Prozent Wachstum, während Analysten mit 5,5 Prozent gerechnet hatten. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie peilt das Management 2,20 bis 2,40 Euro an, nach 2,42 Euro im Vorjahr. Die Dividende bleibt bei einem Euro.
Aus den USA kommt mit Qualcomm (ISIN: US7475251036) ein weiterer Dämpfer. Der Chipkonzern übertraf im vierten Geschäftsquartal die Gewinnerwartungen knapp und stellt für das laufende Quartal sogar mehr Umsatz in Aussicht als erwartet. Steigende Kosten für Wafer, Speicher und die Montage der Chips drücken aber auf die Gewinnprognose, deren Mitte leicht unter den Schätzungen liegt. Die Aktie gab nachbörslich deutlich nach. Im weiteren Tagesverlauf am 5. November richten sich die Blicke auf den Zinsentscheid der Bank of England um 13 Uhr und die erste Schätzung des US-Wachstums im dritten Quartal um 14:30 Uhr. Zudem legen unter anderem DHL, Evotec und Nordex ihre Zahlen vor, die Berichtssaison bleibt also dicht gedrängt.