Der Dienstag beginnt für deutsche Anleger mit einer Reihe von Prognosekorrekturen. Hugo Boss (ISIN: DE000A1PHFF7) hat in der Nacht seine Jahresziele gesenkt. Die Deutsche Lufthansa (ISIN: DE0008232125) hat im Sommer mehr verdient als erwartet, nimmt aber die Spanne für den Jahresgewinn zurück. TeamViewer (ISIN: DE000A2YN900) rechnet nun mit einem leichten Umsatzrückgang, während Zalando (ISIN: DE000ZAL1111) weiter wächst. Aus den USA kommen starke Quartalszahlen von Palantir (ISIN: US69608A1088) und Apple (ISIN: US0378331005), die im nachbörslichen Handel trotzdem keine Begeisterung auslösten. Der DAX dürfte laut vorbörslichen Indikationen etwas leichter starten, nachdem er am 2. November 0,6 Prozent zugelegt hatte. Viele Investoren halten sich vor den US-Zwischenwahlen zurück.
Hugo Boss und TeamViewer senken ihre Ziele
Hugo Boss erwartet für 2026 nur noch ein operatives Ergebnis (EBIT) von 250 bis 300 Millionen Euro. Bisher hatte der Modekonzern 300 bis 350 Millionen Euro in Aussicht gestellt, im Vorjahr waren es 391 Millionen Euro. Beim Umsatz rechnet das Management währungsbereinigt nun mit einem Rückgang im hohen einstelligen Prozentbereich. Als Gründe nennt das Unternehmen die schwächere Konsumnachfrage und höhere Abschreibungen auf IT, weil sich Technologie und künstliche Intelligenz so schnell wandeln. Im dritten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um 5 Prozent auf 946 Millionen Euro, das EBIT fiel von 95 auf 81 Millionen Euro.
Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. Analysten hatten im Schnitt ohnehin nur mit gut 300 Millionen Euro operativem Gewinn gerechnet, und der Quartalsumsatz fiel sogar etwas weniger stark als befürchtet. Bemerkenswert ist der Hinweis auf die IT-Abschreibungen. Er zeigt, dass der technische Wandel auch einen Modekonzern zunächst Geld kostet, bevor er sich auszahlt.
Bei TeamViewer schrumpfte der Umsatz im dritten Quartal währungsbereinigt um 2,2 Prozent auf 184,5 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Softwareanbieter nun ein Minus von 1 bis 2 Prozent, bisher stand ein Plus von bis zu 3 Prozent im Raum. Als Bremse nennt das Unternehmen verzögerte Abschlüsse mit Großkunden und die unsichere Konjunktur in Europa. Die bereinigte EBITDA-Marge soll dagegen bei rund 43 Prozent bleiben. Die Ertragskraft stimmt also, doch die Rückkehr zum Wachstum lässt weiter auf sich warten.
Lufthansa verdient mehr, Zalando wächst weiter
Die Lufthansa steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 9 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT kletterte um 6 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro und lag damit über den Schätzungen der Analysten. Unter dem Strich blieben 1,26 Milliarden Euro, obwohl Treibstoff im Quartal 543 Millionen Euro mehr kostete als ein Jahr zuvor. Für 2026 peilt der Konzern nun ein bereinigtes EBIT von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro an. Bislang reichte die Spanne bis 2,2 Milliarden Euro.
Die Börse dürfte das gelassen sehen, denn die Markterwartung lag schon zuvor nur knapp über 1,7 Milliarden Euro. Positiv fällt die Bilanz auf: Die Nettoverschuldung einschließlich Pensionen sank seit Jahresende von 8,3 auf 7,3 Milliarden Euro. Zudem hat die Airline ihren Treibstoffbedarf für 2026 zu rund 86 Prozent abgesichert. Fallende Ölpreise kämen deshalb erst mit Verzögerung im Ergebnis an.
Zalando legte beim Umsatz um 5 Prozent auf 3,18 Milliarden Euro zu, das Handelsvolumen stieg um 8 Prozent. Das bereinigte EBIT wuchs um 11 Prozent auf 106,5 Millionen Euro, kräftigen Schub lieferte das Geschäft mit Firmenkunden. Einen Schönheitsfehler gibt es allerdings: Statt eines erwarteten Gewinns steht ein Nettoverlust von 18 Millionen Euro. Die Jahresprognose mit einem bereinigten EBIT von 680 bis 720 Millionen Euro hat das Management bestätigt.
Palantir und Apple liefern, die Anleger zögern
Palantir steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 96 Prozent auf 2,31 Milliarden US-Dollar. Erstmals brachte das US-Geschäft mit Unternehmen mit 984 Millionen Dollar mehr ein als jenes mit Behörden. Die Jahresprognose hob der Softwarekonzern auf rund 8,53 Milliarden Dollar an. Nachbörslich gab die Aktie dennoch nach. Offenbar hatten viele Anleger noch mehr erhofft, zumal Technologiewerte schon am 2. November unter Verkaufsdruck standen.
Apple meldete für das Septemberquartal einen Umsatz von 114,5 Milliarden Dollar, ein Rekord für dieses Quartal und ein Plus von 12 Prozent. Das iPhone legte um 17 Prozent zu, das Servicegeschäft erreichte einen Höchstwert. Bei der ersten Bilanzvorlage unter Konzernchef John Ternus trübt jedoch der Ausblick das Bild. Wegen steigender Speicherkosten soll die Bruttomarge im Weihnachtsquartal auf 45 bis 46 Prozent sinken, nach 47,9 Prozent zuletzt. Nachbörslich verlor die Aktie knapp 3 Prozent.
Heute legt außerdem Bayer (ISIN: DE000BAY0017) seine Quartalszahlen vor, um 12:45 Uhr folgt BioNTech (ISIN: US09075V1026). Nach US-Börsenschluss berichtet AMD (ISIN: US0079031078), ein wichtiger Test für die zuletzt angeschlagene Chipbranche. Über allem schweben die US-Kongresswahlen, deren Ergebnisse erst in der Nacht zum Mittwoch erwartet werden. Die Börse in Japan bleibt wegen eines Feiertags geschlossen.