Die neue Börsenwoche beginnt mit einem Übernahmepoker in der Chemie, einer Prognoseanhebung bei einem Versicherungsriesen und reichlich Gesprächsstoff für Autobauer und Telekomkonzerne. Im Zentrum steht die Frage, ob Evonik (ISIN: DE000EVNK013) dem erhöhten Werben von BASF (ISIN: DE000BASF111) nachgibt. Das Umfeld ist dabei wenig bequem. An der Wall Street verlor der Dow Jones am Freitag, 23. Oktober, 1,2 Prozent, der S&P 500 gab 0,5 Prozent nach. Der Ölpreis der Sorte Brent schloss auf dem höchsten Stand seit Juni 2022, weil der Krieg zwischen den USA und dem Iran das Angebot knapp hält. Zum Wochenauftakt bröckelte er in Asien wieder etwas ab. Die Börsen in Fernost zeigten sich am Montagmorgen uneinheitlich, für den DAX zeichnete sich vorbörslich eine leichte Erholung ab. Danach wird es spannend, denn am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank über die Zinsen, am Donnerstag folgt die EZB.
BASF legt bei Evonik nach, Munich Re überrascht positiv
Nach übereinstimmenden Berichten mit Verweis auf Insider hat BASF sein Angebot für Evonik auf 24 Euro je Aktie erhöht. Das entspräche rund 11,2 Milliarden Euro, und zwar in bar. Ende September hatte Evonik eine erste Offerte von 22,15 Euro als zu niedrig zurückgewiesen. Hinzu kommt nach diesen Berichten die Zusage von BASF-Chef Markus Kamieth, bis 2032 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Offiziell bestätigt hat keines der beiden Unternehmen die neuen Details.
Damit liegt der Ball bei Evonik und vor allem bei der RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Anteile hält. Ohne ihre Zustimmung dürfte kein Geschäft zustande kommen. Der Aufschlag von knapp 40 Prozent auf den Kurs vor Bekanntwerden des Interesses ist ordentlich, ob er reicht, bleibt offen. Wichtige Wegmarken sind die Quartalszahlen von BASF am 28. Oktober und von Evonik am 3. November.
Bei Munich Re (ISIN: DE0008430026) gab es dagegen klare Fakten. Der Rückversicherer hob am Freitag sein Gewinnziel für 2026 von 6,3 auf 6,6 Milliarden Euro an. Im dritten Quartal verdiente der Konzern nach vorläufigen Zahlen rund 1,7 Milliarden Euro, Analysten hatten im Schnitt etwa 1,5 Milliarden erwartet. Geholfen haben geringe Großschäden und ein starkes Kapitalanlageergebnis. Die vollständigen Zahlen folgen am 12. November.
Audi baut in den USA, Deutsche Telekom spürt Gegenwind von SpaceX
Für Volkswagen (ISIN: DE0007664039) kam am Wochenende eine große Ankündigung aus Übersee. Die Tochter Audi plant in Georgia ein Werk für rund 4 Milliarden Dollar, das jährlich 200.000 SUVs bauen und etwa 4.500 Stellen schaffen soll. Es wäre die erste eigene Audi-Fertigung in den USA, US-Präsident Donald Trump stellte das Projekt bei einem Wahlkampfauftritt vor. Strategisch ergibt das Sinn, weil Zölle dann weniger stark ins Gewicht fallen. Zu Hause droht dagegen Ärger, denn die IG Metall verlangt bis Ende Oktober die Rücknahme gekündigter Tarifverträge und droht mit Arbeitskampf.
Unruhe gibt es auch in der Telekombranche. Laut Berichten verhandelt SpaceX über den Kauf von mindestens 80.000 Mobilfunkmasten in den USA und könnte damit zum klassischen Netzbetreiber werden. AT&T und T-Mobile US verloren am Freitag jeweils rund 8 Prozent. Für die Deutsche Telekom (ISIN: DE0005557508) als Mehrheitseigner von T-Mobile US ist das ein Thema, auch wenn bis zu einem echten Markteintritt noch Zeit vergehen dürfte. Wie sich der Wettbewerb anfühlt, zeigt sich am 26. Oktober gegen Mittag deutscher Zeit, wenn Verizon (ISIN: US92343V1044) Quartalszahlen vorlegt.
Hugo Boss in Frasers-Hand, Atoss mit höherer Marge und Lizenzflaute
Bei Hugo Boss (ISIN: DE000A1PHFF7) ist eine Schwelle überschritten. Die britische Frasers Group hält nun 50,08 Prozent der Anteile und kann damit auf Hauptversammlungen einfache Beschlüsse wie die Dividende allein durchsetzen. Faktisch hatte Frasers schon zuvor großen Einfluss. Für freie Aktionäre stellt sich nun die Frage, wie viel Mitsprache ihnen künftig noch bleibt.
Ein gemischtes Bild lieferte der Softwarespezialist Atoss Software (ISIN: DE0005104400) Ende vergangener Woche. Der Gewinn im dritten Quartal übertraf die Erwartungen, und die Zielmarge für den operativen Gewinn (EBIT) steigt auf rund 37 Prozent vom Umsatz. Beim Umsatz peilt Atoss aber nur noch das untere Ende der Spanne von 210 bis 215 Millionen Euro an, weil das Lizenzgeschäft schwächelt. Die Aktie gab am Freitag deutlich nach, zeitweise um rund 9 Prozent. Das Cloudgeschäft läuft gut, der Umbau weg von Lizenzen dürfte aber vorerst Umsatz kosten.
Am Montag, 26. Oktober, richtet sich der Blick um 10 Uhr auf den ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober. Die Wiener Börse bleibt wegen des österreichischen Nationalfeiertags geschlossen. Die eigentlichen Schwergewichte folgen ab Mittwoch mit den Zahlen der großen US-Techkonzerne. Bis dahin dürften Ölpreis und Zinssorgen die Richtung vorgeben, Übernahmefantasie wie bei Evonik sorgt für Abwechslung.
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