Die Berichtssaison nimmt Fahrt auf, und der heutige Handelstag hat gleich mehrere Gesprächsthemen zu bieten. Adidas (ISIN: DE000A1EWWW0) hat gestern Abend seine Gewinnprognose angehoben, und auch die Deutsche Börse (ISIN: DE0005810055) schraubte ihre Ziele nach oben. In den USA legten SpaceX (ISIN: US84615Q1031) und Netflix (ISIN: US64110L1061) nach Börsenschluss Zahlen vor, die sehr unterschiedlich ankamen. Die Vorgaben fallen gemischt aus. Der Dow Jones schloss gestern rund ein Prozent fester, während die Technologiebörse Nasdaq auf der Stelle trat, weil Chipwerte erneut schwächelten. Der DAX hatte den Tag fast unverändert beendet. In Asien suchten die Märkte am Mittwochmorgen noch nach einer gemeinsamen Richtung. Am Abend rückt dann SAP (ISIN: DE0007164600) in den Mittelpunkt.
Adidas und Deutsche Börse heben die Ziele an
Adidas meldet für das dritte Quartal vorläufig einen Rekordumsatz von 7,25 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent. Währungsbereinigt wuchs der Konzern um 7 Prozent. Das Betriebsergebnis stieg sogar um 37 Prozent auf gut eine Milliarde Euro, nach Unternehmensangaben so viel wie nie zuvor in einem Quartal. Für das Gesamtjahr erwartet Adidas nun ein Betriebsergebnis von rund 2,5 Milliarden Euro, bisher waren rund 2,3 Milliarden Euro angepeilt. Beim Umsatz stellt das Unternehmen währungsbereinigt 9 bis 10 Prozent Wachstum in Aussicht.
Ein genauer Blick lohnt sich trotzdem. Rund 200 Millionen Euro stammen aus erstatteten US-Zöllen, die die Bruttomarge auf 54,3 Prozent hoben. Ohne diesen Sondereffekt wäre die Anhebung also deutlich kleiner ausgefallen. Zugleich will Adidas im vierten Quartal etwa 100 Millionen Euro in Initiativen stecken, die später für mehr Ertragskraft sorgen sollen. Die vollständigen Zahlen folgen am 29. Oktober.
Die Deutsche Börse erhöhte ihre Prognose bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Im dritten Quartal kletterten die Nettoerlöse um 13 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro, das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) um 16 Prozent auf 978 Millionen Euro. Für 2026 peilt der Konzern nun Nettoerlöse von mehr als 6,5 Milliarden Euro und ein EBITDA von rund 3,9 Milliarden Euro an. Treiber sind vor allem höhere Zinserträge nach den Zinserhöhungen von EZB und Fed im September. Das ist willkommener Rückenwind, den der Börsenbetreiber allerdings kaum selbst steuern kann.
SpaceX wächst rasant, Netflix enttäuscht mit dem Ausblick
SpaceX hat im zweiten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen den Umsatz um 161 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar gesteigert. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar, nach einem Verlust von 1,1 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. Mehr als die Hälfte der Erlöse kam aus der KI-Sparte, die von neuen Cloud-Verträgen, der Übernahme von Cursor und der Chat-Software Grok profitierte. Der Satelliten-Internetdienst Starlink steigerte seinen Umsatz um 69 Prozent und zählt nun 13,6 Millionen Privatkunden. Nachbörslich legte die Aktie knapp fünf Prozent zu.
Die Kehrseite ist der enorme Kapitalbedarf. SpaceX investierte im Quartal 19,6 Milliarden Dollar und damit mehr, als es umsetzte. Davon flossen 16,4 Milliarden Dollar in Rechenzentren für die KI-Sparte. Wie dauerhaft sich dieses Tempo finanzieren lässt, dürfte die Aktie noch eine Weile begleiten.
Netflix lieferte im dritten Quartal solide Zahlen. Der Umsatz wuchs um knapp 12 Prozent auf 12,87 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie lag mit 0,87 Dollar über den Schätzungen. Für das vierte Quartal stellt der Konzern jedoch nur 13,44 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht und bleibt damit unter den Erwartungen. Zudem rechnet Netflix für 2026 nur noch mit Werbeerlösen von rund 2,7 Milliarden Dollar statt etwa 3 Milliarden Dollar. Die Aktie gab nachbörslich rund fünf Prozent nach.
Friedrich Vorwerk erhöht erneut, SAP am Abend im Fokus
Aus der zweiten Reihe meldet sich Friedrich Vorwerk (ISIN: DE000A255F11) mit kräftigen Zahlen. Der Spezialist für Pipelines und Energienetze steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 13 Prozent auf 228,3 Millionen Euro, das EBITDA sprang von 51,3 auf 80,9 Millionen Euro. Deshalb hebt das Unternehmen die Jahresprognose zum zweiten Mal an, auf 760 bis 790 Millionen Euro Umsatz und 220 bis 230 Millionen Euro EBITDA. Ein Wermutstropfen bleibt der Auftragsbestand, der mit 907 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert von rund 1,1 Milliarden Euro liegt.
SAP legt seine Quartalszahlen am Abend vor. Analysten rechnen im Schnitt mit rund 10,1 Milliarden Euro Umsatz und etwa 6,6 Milliarden Euro aus dem Cloudgeschäft. Besonders wichtig ist der aktuelle Cloud-Auftragsbestand, also die vertraglich gesicherten Cloud-Erlöse der nächsten zwölf Monate, für den ein Plus von 24 bis 25 Prozent erwartet wird.
Fast zeitgleich berichten in den USA Meta, Tesla, IBM und Texas Instruments. Bis dahin liefern die britischen Inflationsdaten am Morgen und ein Auftritt von EZB-Präsidentin Christine Lagarde am frühen Abend Stoff für den Handel.