Der heutige Handel beginnt mit gemischten Signalen. In New York hat sich der Nasdaq 100 zum Wochenstart um gut ein Prozent erholt, nach einem kräftigen Rutsch der Technologiewerte. In Asien kippte die Stimmung jedoch erneut. Vor allem in Seoul gaben Chipwerte wie SK hynix und Samsung deutlich nach, und auch der Nikkei rutschte ab.
Die Frage, ob sich die gewaltigen Investitionen in KI-Rechenzentren am Ende auszahlen, bleibt das beherrschende Thema. Für den DAX deuten die vorbörslichen Taxen daher auf einen schwächeren Start hin. Umso bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet ein Lieferant dieser Investitionswelle glänzt. Dazu kommen eine Übernahme in der Pharmabranche und zwei angehobene Prognosen aus Deutschland.
ABB verdient am Rechenzentrumsboom
ABB (ISIN: CH0012221716) hat im dritten Quartal Aufträge über 12,06 Milliarden US-Dollar eingesammelt, ein Plus von 40 Prozent. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 9,70 Milliarden Dollar. Die operative Marge, gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Übernahmewerte (EBITA), kletterte von 19,2 auf 20,8 Prozent. Nach Unternehmensangaben stach das Geschäft mit Rechenzentren heraus, dessen Bestellungen sich mindestens verdoppelten.
Ganz ohne Schönheitsfehler ist das Zahlenwerk allerdings nicht. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 0,65 Dollar zwei Prozent unter dem Vorjahreswert. Für das Schlussquartal erwartet ABB ein Umsatzwachstum etwa auf dem Niveau des dritten Quartals. Die Marge soll saisonal leicht nachgeben. Auf jeden Dollar Umsatz kamen im Quartal 1,24 Dollar an neuen Aufträgen. Das spricht für eine gute Auslastung bis weit ins kommende Jahr. Zugleich zeigt es, dass die Betreiber von Rechenzentren trotz aller Zweifel an der Börse weiter in Strominfrastruktur investieren.
Merck kauft zu, Fuchs legt nach
Merck KGaA (ISIN: DE0006599905) übernimmt den britischen RNA-Spezialisten Silence Therapeutics. Geboten werden 20 Dollar je US-Hinterlegungsschein, der Unternehmenswert liegt bei rund 1,1 Milliarden Dollar. Herzstück ist der Wirkstoff Divesiran, der in einer Phase-2-Studie gegen Polycythaemia vera überzeugte, eine seltene Erkrankung des Knochenmarks. Merck will ihn in die entscheidende Phase 3 bringen. Der Abschluss wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Für den Konzern ist das eine überschaubare Wette auf eine Technologie, die gezielt einzelne Gene stummschaltet. Ob sie aufgeht, entscheidet die teure Spätphase.
Fuchs SE (ISIN: DE000A3E5D64) hat gestern sein Gewinnziel erneut erhöht. Im dritten Quartal stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 149 Millionen Euro nach 117 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten nur rund 116 Millionen Euro erwartet. Für 2026 peilt der Schmierstoffhersteller nun ein EBIT von rund 500 Millionen Euro an, bisher waren 460 bis 480 Millionen Euro geplant. Der Umsatz soll bei rund 4,1 Milliarden Euro landen. Allerdings bremst Fuchs selbst die Erwartungen, denn das starke Quartal lasse sich wegen Vorzieheffekten nicht fortschreiben.
Pentixapharm und der Fahrplan für den Handelstag
Genau hinsehen lohnt sich auch bei Pentixapharm (ISIN: DE000A40AEG0). Das Biotechunternehmen erwartet für 2026 nur noch einen Fehlbetrag von rund 13 Millionen Euro statt 21,6 Millionen Euro. Ein Teil der Entlastung beruht jedoch auf einer Verzögerung. Der erste Patient der Phase-3-Studie PANDA soll erst im ersten Quartal 2027 aufgenommen werden, entsprechend verschieben sich Kosten. Weitere 3,7 Millionen Euro entfallen auf Abschreibungen, die nach Feststellungen der Finanzaufsicht Bafin wegfallen. Die Finanzierung reicht nach Unternehmensangaben unverändert bis 2028.
Im Laufe des heutigen Tages richtet sich der Blick zunächst auf die ZEW-Konjunkturerwartungen um 11 Uhr. Am Nachmittag berichten in den USA unter anderem GE Aerospace, RTX, Northrop Grumman und General Motors über ihr Quartal. Am Abend legen schließlich die Deutsche Börse und Netflix ihre Quartalszahlen vor.