AST SpaceMobile: Wird SpaceX zum Rivalen oder zum Glücksfall?

Selten waren sich Analysten bei einer Aktie so uneinig wie derzeit bei AST SpaceMobile (ISIN: US00217D1000). Das Unternehmen baut ein Satellitennetz auf, das ganz normale Smartphones direkt aus dem All mit Mobilfunk versorgen soll. Auslöser der neuen Debatte ist SpaceX. Am 8. Oktober kündigte der Raumfahrtkonzern an, 14 Megahertz Funkspektrum im 800-Megahertz-Band kaufen zu wollen. Spektrum ist gewissermaßen die Leitung, über die drahtlose Daten fließen. Anleger lasen daraus, dass SpaceX bald ein eigenes Mobilfunkangebot starten könnte. Die Aktie von AST verlor deshalb am Folgetag mehr als zehn Prozent.

Drei Analysten, drei Meinungen

Seitdem überschlagen sich die Einschätzungen. Berenberg sieht AST als naheliegenden Partner für klassische Netzbetreiber, die sich gegen SpaceX wappnen wollen. Die Deutsche Bank hob die Aktie am 12. Oktober auf Kaufen an. Ihr Argument lautet, dass der Vorstoß von SpaceX die großen US-Anbieter AT&T, T-Mobile und Verizon noch enger an AST binden dürfte.

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Nur einen Tag später stufte Piper Sandler die Aktie hingegen auf Halten ab und senkte das Kursziel fast um die Hälfte. Als Begründung nennt das Haus die Macht von SpaceX im Startgeschäft, denn auf das Unternehmen entfällt etwa die Hälfte aller Orbitalstarts weltweit. Clear Street hält dagegen, dass auch SpaceX Risiken trägt. Für neue Starlink-Satelliten braucht der Konzern das Raketensystem Starship, das sich noch in der Entwicklung befindet.

Bei AST SpaceMobile liegen die Kursziele weit auseinander

Die Spanne der Kursziele reicht inzwischen von 54 bis 115 Dollar. Der Abstand entspricht rund 130 Prozent des aktuellen Kurses und fällt damit größer aus als beim notorisch umstrittenen Autobauer Tesla. Dort liegt die Spanne bei etwa 110 Prozent, bei Apple sind es rund 50 Prozent.

Das zeigt, wie unsicher die Lage eingeschätzt wird. Die Aktie hat innerhalb von sechs Monaten etwa die Hälfte ihres Werts eingebüßt, allein im zurückliegenden Monat ging gut ein Fünftel verloren.

Ein Netz im Aufbau

Wichtig bleibt der Blick auf das operative Fundament. AST erzielt bislang kaum nennenswerte Umsätze und steckt mitten im Aufbau seines Netzes. Rund ein Dutzend Satelliten kreisen bereits im All, für eine Breitbandversorgung in den USA sind 50 bis 60 nötig. Ein durchgehender Dienst soll ab 2027 möglich sein. Analysten erwarten, dass der Umsatz von 164 Millionen Dollar im Jahr 2026 auf knapp 600 Millionen Dollar im Folgejahr steigt. Für 2029 rechnen sie mit 2,8 Milliarden Dollar Umsatz und einem Gewinn je Aktie von etwa zwei Dollar.

Daraus ergibt sich etwa das 23-Fache des für 2029 erwarteten Gewinns. Für einen Wachstumswert wirkt das vertretbar, sofern Satellitenstarts, Finanzierung und Partnerschaften nach Plan laufen. Genau daran zweifeln nun einige Beobachter. Wer sich mit AST beschäftigt, braucht deshalb starke Nerven und einen langen Atem.

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