Analyse Oracle: KI-Boom treibt Cloudgeschäft auf neues Niveau

Der Softwarekonzern Oracle Corporation (ISIN: US68389X1054) erlebt derzeit eine Phase dynamischen Wachstums. Lange galt das Unternehmen vor allem als klassischer Anbieter von Datenbanken und Unternehmenssoftware. Inzwischen positioniert sich Oracle jedoch immer stärker als Infrastrukturplattform für Cloud- und KI-Anwendungen. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass dieser Strategiewechsel beginnt, messbare Ergebnisse zu liefern. Gleichzeitig bleibt die Transformation kapitalintensiv und wirft Fragen zur Finanzierung des rasanten Ausbaus der Rechenzentren auf.

Oracle beschleunigt Wachstum durch Cloud und KI

Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Oracle einen Umsatz von rund 17,2 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Auch beim Ergebnis je Aktie lag der Konzern mit 1,79 US-Dollar über den Prognosen. Insgesamt entspricht das einem Umsatzwachstum von gut 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

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Der wichtigste Wachstumstreiber ist inzwischen klar das Cloudgeschäft. Die Erlöse aus Cloud-Infrastruktur und Software-as-a-Service summierten sich auf etwa 8,9 Milliarden US-Dollar, was einem Plus von rund 44 Prozent entspricht. Besonders dynamisch entwickelt sich die Infrastrukturplattform für Rechenzentren: Die Umsätze im Infrastruktursegment legten um rund 84 Prozent zu. 

Auch bei den Cloud-Anwendungen zeigt sich ein solides Wachstum. Lösungen für Unternehmenssoftware, etwa ERP-Systeme oder Finanzanwendungen, steigern weiterhin ihre Nutzerbasis. Diese Kombination aus stabilen Softwareerlösen und stark expandierender Infrastruktur bildet derzeit das Fundament der neuen Oracle-Strategie.

KI-Infrastruktur als neues strategisches Zentrum

Der eigentliche Umbruch vollzieht sich jedoch im Hintergrund. Oracle entwickelt sich zunehmend zu einem Anbieter großskaliger Rechenzentrums-Infrastruktur für KI-Anwendungen. Große Technologieunternehmen benötigen enorme Mengen an Rechenleistung, um Sprachmodelle zu trainieren oder komplexe Datenanalysen durchzuführen. Genau hier positioniert sich Oracle mit seiner Cloud-Plattform.

Ein besonders aufschlussreicher Indikator ist der Auftragsbestand. Die sogenannten Remaining Performance Obligations – also vertraglich zugesicherte, aber noch nicht realisierte Umsätze – erreichten zuletzt rund 553 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 300 Prozent innerhalb eines Jahres.

Diese enorme Zahl zeigt, wie stark die Nachfrage nach KI-Infrastruktur inzwischen ist. Viele dieser Verträge stammen aus langfristigen Projekten mit großen Technologie- oder Internetunternehmen. Teilweise finanzieren Kunden sogar selbst Teile der benötigten Hardware oder leisten Vorauszahlungen für Grafikprozessoren und Server. Dadurch sinkt für Oracle das unmittelbare Investitionsrisiko. 

Wachstum kostet Kapital

Der rasante Ausbau der Rechenzentren hat allerdings seinen Preis. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Oracle mit Investitionen von rund 50 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig weist der Konzern bereits eine hohe Netto-Verschuldung von mehr als 100 Milliarden US-Dollar auf. 

Diese Entwicklung sorgt bei Investoren für gemischte Gefühle. Einerseits verspricht der KI-Boom enormes Wachstumspotenzial. Andererseits stellt sich die Frage, wie schnell sich diese Investitionen in stabile Cashflows umwandeln lassen. Kurzfristig belastet der Ausbau der Infrastruktur jedenfalls die freien Mittel des Konzerns.

Ein weiterer Punkt ist die starke Abhängigkeit von einigen wenigen Großkunden im KI-Umfeld. Großprojekte im Bereich der künstlichen Intelligenz können Milliardenvolumen erreichen, sind aber zugleich strategisch sensibel. Sollte sich die Nachfrage nach Rechenleistung unerwartet verändern, könnten Investitionspläne schnell angepasst werden müssen.

Ambitionierte Prognosen bis 2027

Trotz dieser Risiken zeigt sich Oracle ausgesprochen optimistisch. Für das vierte Quartal erwartet der Konzern erneut kräftiges Wachstum. Die Erlöse sollen um rund 19 bis 21 Prozent steigen. Beim Cloudgeschäft rechnet das Management sogar mit einem Zuwachs von bis zu 50 Prozent. 

Noch bemerkenswerter ist der Blick auf die mittelfristige Perspektive. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert Oracle einen Gesamtumsatz von rund 67 Milliarden US-Dollar. Bereits ein Jahr später könnte der Wert nach aktuellen Planungen auf etwa 90 Milliarden US-Dollar steigen.

Damit würde Oracle endgültig in die Liga der großen Cloud-Infrastrukturkonzerne aufsteigen. Die Kombination aus Datenbanksoftware, Unternehmensanwendungen und KI-Rechenzentren schafft ein Ökosystem, das sich immer stärker von klassischen Softwareanbietern unterscheidet.

Ein traditionsreicher Konzern im Wandel

Oracle gehört seit Jahrzehnten zu den festen Größen der Technologiebranche. Doch das Unternehmen musste sich mehrfach neu erfinden. Die aktuelle Transformation hin zur KI-Infrastruktur ist vermutlich der größte strategische Schritt seit dem Einstieg ins Cloudgeschäft.

Ob dieser Wandel dauerhaft gelingt, hängt vor allem davon ab, wie schnell die enormen Investitionen in stabile Erlöse umschlagen. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass Oracle im KI-Zeitalter eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Für den Konzern könnte sich damit ein neues, langfristiges Wachstumsfeld öffnen.

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