Der Nahost-Konflikt will vorerst nicht enden! Mittelfristig kann das für die Industrie weit über die Region hinaus zum Störfaktor werden, speziell wenn sich die strapazierten Lagerbestände langsam zum Ende neigen. Die andauernde Auseinandersetzung belastet nicht nur den Handel, auch die Versicherungsprämien legen ordentlich zu. Für Konsumenten heißt das anhaltender Inflationsdruck bis hin zu leeren Regalen, die schon aus der Coronakrise bestens bekannt sind. Besonders heikel stellt sich dieses Szenario für rüstungsnahe Lieferketten dar, weil viele Vorprodukte aus einem eng verflochtenen globalen Netz stammen und schon kleine Verzögerungen sofort auf Verfügbarkeit und Kosten durchschlagen.
Betroffen ist hier die Versorgung mit Metallen, Spezialchemikalien oder elektronischen Bauteilen, die wegen ihrer Menge auf dem Schiffsweg transportiert werden. Für die Defense-Industrie ist das deshalb relevant, weil moderne Waffensysteme und Plattformen auf hochspezialisierte Materialien angewiesen sind, die nicht einfach kurzfristig ersetzbar sind. Silber spielt dort vor allem wegen seiner sehr hohen elektrischen Leitfähigkeit eine wichtige Rolle. Der eigentliche strategische Punkt ist deshalb nicht nur der Rohstoff selbst, sondern die Verwundbarkeit der gesamten Wertschöpfungskette in einem zunehmend angespannten geopolitischen Umfeld.
Wenn Lieferketten reißen: Warum kritische Metalle und Silber strategisch werden
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten rücken die Verwundbarkeit globaler Rohstoff- und Lieferketten erneut in den Fokus der Industrie. Besonders bei strategischen Metallen wie Silber wächst die Sorge vor Engpässen, da zahlreiche Transportwege über politisch sensible Regionen verlaufen und bereits kleinere Eskalationen die Logistik massiv beeinträchtigen können.
Für die Rüstungsindustrie hätte eine anhaltende Verknappung besonders weitreichende Folgen, weil Silber aufgrund seiner einzigartigen elektrischen Leitfähigkeit in zahlreichen Hightech-Anwendungen kaum vollständig ersetzbar ist. Moderne Radarsysteme, Präzisionsmunition, Satellitenkommunikation, Drohnentechnologien und elektronische Steuerungssysteme enthalten Silber in Leiterbahnen, Kontakten und Sensoren. Auch in militärischen Batterien, Hochfrequenztechnik und Wärmeableitung spielt das Edelmetall eine zentrale Rolle. Mit der zunehmenden Digitalisierung moderner Streitkräfte steigt gleichzeitig der Silberbedarf pro Systemgeneration weiter an. Hinzu kommt, dass viele westliche Staaten ihre Verteidigungsbudgets derzeit deutlich erhöhen und milliardenschwere Aufrüstungsprogramme beschleunigen. So stehen Pläne der USA mit 1,5 Billionen USD bis 2027 im Raum und europäische NATO-Staaten wollen ihren BIP-Anteil dauerhaft von 1,7 auf 3,5 % für Verteidigungsausgaben erhöhen, exponierte Staaten wie Polen gehen sogar an die 5 %-Marke.
Dadurch wächst die strukturelle Nachfrage aus dem Defense-Sektor genau in einer Phase, in der das globale Angebot an kritischen Metallen inklusive Silber ohnehin unter Druck steht. Silber ist in seltenstem Fall ein Primär-Metall wie Gold, denn es stammt zu erheblichen Teilen aus Nebenförderungen von Blei-, Zink- oder Kupferminen, was die kurzfristige Ausweitung des Angebots in Engpasszeitenerschwert. Der große Bruder Gold hat im Gegensatz dazu nur eine verschwindende Relevanz im industriellen Sinne, fungiert in geopolitischen Krisenzeiten aber als monetärer Sicherheitsanker für Zentralbanken und Staaten. Eine nochmalige Verschärfung des Nahost-Konflikts könnte für kritische Metalle insgesamt gesprochen also sowohl industrielle als auch finanzielle Nachfrageimpulse auslösen. Für Industrieunternehmen stellt sich die Situation nicht einfach dar, denn Beschaffungsabteilungen stehen immer wieder unter Zugzwang, genau in hochvolatilen Phasen Einkaufsentscheidungen zu treffen, ohne zu wissen, wann die nächste Entspannungsphase eintritt. Die aktuelle Situation zeigt, dass nicht nur Investoren und Spekulanten über ein starkes Nervenkostüm verfügen müssen.
Rheinmetall und Renk – Mit historischen Auftragseingängen unter Zugzwang
Wenn jemand gerade sehr viel zu tun hat, dann ist es die Verteidigungsindustrie. Denn nur wenige zertifizierte Unternehmen müssen sensible Apparaturen für die Verteidigung bereitstellen, in Mengen, an die vor 10 Jahren niemand gedacht hat. Da existiert natürlich die Freude über die gute Auftragslage, gleichzeitig treibt es den Protagonisten mit Personal-, Standort – und Beschaffungsplanung die Schweißperlen auf die Stirn.
Im letzten Quartal zeigten sich bei Rheinmetall (ISIN: DE0007030009 | WKN: 703900) schon klare Tendenzen, die für die nächsten Quartale zum Maßstab werden könnten. So stieg der Umsatz auf rund 1,94 Mrd. EUR (+8 % yoy), betroffen waren alle Kernsegmente mit zentralem Antrieb aus dem Defence-Sektor. Gleichzeitig legte das operative Ergebnis überproportional um 17 % auf 224 Mio. EUR zu, was eine Marge von 11,6 % impliziert und damit die von vielen Experten erwartete Fixkostendegression im Hochlauf bestätigt. Besonders entscheidend bleibt jedoch der Blick auf die Auftragsseite: Der sogenannte Nomination-Wert lag bei 4,9 Mrd. EUR, während der Gesamtauftragsbestand auf ein neues Rekordniveau von rund 73 Mrd. EUR kletterte. Rheinmetall hat sich für diesen „Berg“ eine Abarbeitungszeit von etwa 5 Jahren vorgenommen, aber was, wenn sich die Ordermenge adhoc noch einmal verdoppeln sollte? CEO Papperger macht auf Präsentationen den Eindruck, dass er die geforderten Kapazitäten durch Standorterweiterungen und Übernahmen tatsächlich stemmen kann.
Da im Defense-Bereich viele Bestellungen auf Vorkasse ausgerichtet sind, wird er hierfür nur wenige Eigenmittel mobilisieren müssen. Die aktuelle Größenordnung des Auftragsbestands bedeutet faktisch eine mehrjährige Vollauslastung, da der Backlog inzwischen fast das Achtfache des Jahresumsatzes erreicht hat. Interessant ist, dass Analysten die Abarbeitung dieser Bestellmenge anscheinend viel schneller erwarten und zu Jahresbeginn noch Kursziele von über 2.000 EUR angesetzt haben. Defacto fiel der Kurs der Düsseldorfer aber in der letzten Woche um über 30 % auf knapp 1.100 EUR zurück. Für Neueinsteiger ein Glücksfall, denn bis zum 12-Monats-Konsensziel auf der Plattform LSEG bei 1.950 EUR ist jetzt wieder 60 % Platz. Dennoch ist Vorsicht geboten, die letzten 4 Kauf-Einstufungen erfolgten mit Zielkursen von nur noch knapp 1.500 EUR. Timing scheint gefragt!
Auch die RENK Group (ISIN: DE000RENK730 | WKN: RENK73) zeigt eine vergleichbare Dynamik, wenn auch auf niedrigerer Umsatzbasis: Der Auftragseingang übertrifft weiterhin deutlich den Quartalsumsatz, wodurch die Book-to-Bill-Ratio strukturell über 1 liegt. Der Orderbestand bewegt sich mit 6,9 Mrd. EUR ebenfalls im hohen einstelligen Milliardenbereich und sichert damit eine mehrjährige Produktionssichtbarkeit in den Kernsegmenten Getriebe und Antriebssysteme. Operativ spiegelt sich die Hochlaufphase bei beiden Unternehmen in einem klaren Muster wider: Steigende Lagerbestände, negative freie Cashflows im Quartal und gleichzeitig steigende Investitionsquoten. Bei Rheinmetall lag der Free Cashflow in Q1 bei rund –285 Mio. EUR, was primär auf Working-Capital-Aufbau für künftiges Wachstum zurückzuführen ist.
Sowohl die Führung von Rheinmetall als auch von RENK beschreiben die Versorgungslage mit kritischen Metallen und Vorprodukten inzwischen als strukturell angespannt, aber grundsätzlich beherrschbar. Damit entsteht ein Industriebild, in dem Nachfrage nicht mehr der limitierende Faktor ist, sondern Produktionskapazität, Lieferketten und Fachkräfte. Dieser Engpass verschiebt die zentrale Bewertungsfrage weg vom Auftragseingang hin zur Fähigkeit, diese Volumina tatsächlich industriell zu realisieren. Die Kursentwicklung der Rüstungsunternehmen ist bei unveränderter Gemengelage also nicht nur von der internationalen Krisenlage abhängig, sondern orientiert sich primär an den industriellen Möglichkeiten und übergeordneten Standortfragen.
Aftermath Silver – Berenguela liefert weiter hochgradige Silber-Kupfer-Zonen
Im Gesamtbild spielen Rohstoffproduktion, Beschaffung und Mengenszenarien eine große Rolle. Rohstoffinstitute weisen deswegen auch in regelmäßigen Abständen auf die offensichtlichen Angebotslücken bei kritischen Metallen hin. Höchst gefragt sind also veritable Nachfolge-Projekte zu den weltweit bestehenden Bergbau-Strukturen. Südamerika und im speziellen Peru haben in diesem Kontext eine hohe Relevanz, die sich in naher Zukunft noch einmal dynamisieren kann. Perspektivisch möchte der dort ansässige kanadische Entwickler Aftermath Silver Ltd. (ISIN: CA00831V2057 | WKN: A2DMFN) eine dominante Größe im Geschäft mit kritischen Metallen werden. Im Zentrum steht das Berenguela-Projekt im Süden Perus, dessen polymetallische Lagerstätte inzwischen eine Größenordnung erreicht hat, die auch institutionelle Rohstoffinvestoren genauer hinsehen lässt. Die aktuelle Ressourcenschätzung umfasst mehr als 50 Mio. Tonnen gemessene und angezeigte Ressourcen mit über 120 Mio. Unzen Silber sowie bedeutenden Anteilen an Kupfer und Mangan. Diese Metallkombination verleiht dem Projekt einen besonderen Charakter, denn nicht nur das Silber zeigt sich als wertvoll, sondern Kupfer und Mangan gewinnen im Zuge von Elektrifizierung, Netzmodernisierung und Batterietechnologien stetig an strategischer Bedeutung.
Die jüngsten Ergebnisse aus dem laufenden Bohrprogramm können Beobachter bislang überzeugen.Präsentiert wurde ein Abschnitt von mehr als 33 Metern mit durchschnittlich rund 394 Gramm Silber pro Tonne sowie knapp 1,2 % Kupfer, während andere Bohrungen ebenfalls mächtige Zonen mit hochgradiger Mineralisierung lieferten. In einzelnen Bereichen wurden über nahezu 38 Meter hinweg 150 g/t Silber kombiniert mit beachtlichen 1,65 % Kupfer und mehr als 26 % Mangan durchschnitten. Solche Resultate sprechen nicht nur für die Kontinuität der Lagerstätte, sondern auch für das Potenzial eines wirtschaftlich attraktiven Tagebaus mit robusten Erzgehalten. Auffällig ist zudem die vergleichsweise homogene Verteilung der Mineralisierung über große Teile des Projekts, was spätere Minenplanungen vereinfachen könnte und gleichzeitig hochgradige Starterzonen für einen frühen Produktionsbeginn ermöglicht.
Aftermath Silver hat inzwischen mehr als 15.500 Meter an Diamantbohrungen absolviert und richtet den Fokus nun zunehmend auf die nächste Entwicklungsphase. Ein Teil der aktuellen Arbeiten dient bereits der Vorbereitung einer Vormachbarkeitsstudie, die für Anfang 2027 angestrebt wird und zentrale Kennzahlen wie Investitionskosten, Metallausbeuten und Produktionsszenarien konkretisieren soll. Parallel dazu laufen geotechnische Untersuchungen und metallurgische Testarbeiten, um die spätere Verarbeitung der Erze effizienter auszulegen. Interessant erscheint dabei die Perspektive, neben Silber und Kupfer perspektivisch auch batteriefähiges Mangansulfat produzieren zu können, ein netter Wachstumskicker für kommenden Zyklen. Auch infrastrukturell kann Berenguela überzeugen. Die Nähe zu bestehender Bergbauinfrastruktur, verfügbaren Arbeitskräften sowie Transportwegen in Richtung Pazifikhafen Matarani könnte die spätere Projektentwicklung deutlich erleichtern. Historische Abbauarbeiten auf dem Gelände bestätigen zudem, dass die Region bereits über Jahrzehnte bergbaulich genutzt wurde, auch wenn bislang nur ein kleiner Teil der heutigen Ressource tatsächlich erschlossen wurde.
An der Börse hat die Aktie in den vergangenen drei Jahren bereits kräftig zugelegt, wenngleich der Wert 2026 zwischenzeitlich deutlich korrigierte. Dennoch bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend bislang intakt, was auch mit dem wachsenden Interesse an Silber- und Kupferprojekten zusammenhängt. Mit einer Marktkapitalisierung im Bereich von rund 265 Mio. CAD bieten sich nun wieder interessante Einstiegspunkte, denn sollten die kommenden Studien die Wirtschaftlichkeit bestätigen und weitere hochgradige Zonen definiert werden, könnte Berenguela zu einem der relevanteren Silber-Kupfer-Mangan-Projekte Südamerikas aufsteigen.
Bohrstart als Katalysator: Rush Gold vor möglicher Neubewertung im Explorationsstadium
Ausgeprägte Silber-Gehalte kann auch der Explorer Rush Gold Corp. (ISIN: CA78184E1034 | WKN: A3EGYW) in Nevada bieten. Das Unternehmen positioniert sich im aktuellen Marktumfeld als klassischer Early-Stage-Explorer im rohstoffreichen Walker Lane-Trend in Nevada. Im Zentrum der Aktivitäten stehen die beiden Projekte Skylight und Legal Tender, die nur rund fünf Kilometer voneinander entfernt liegen und damit bewusst auf operative Synergien ausgelegt sind. Die letzten geochemischen Arbeiten aus dem Jahr 2025 umfassen insgesamt 94 Gesteinsproben, von denen neun Proben Goldgehalte oberhalb von 0,1 g/t lieferten und Spitzenwerte bis zu 2,41 g/t erreichten.
Parallel dazu wurden ebenfalls neun Proben mit signifikant erhöhten Silbergehalten identifiziert, wobei einzelne Analysen außergewöhnliche Spitzenwerte von bis zu 2.770 g/t Silber auswiesen. Diese Extremwerte deuten auf lokal stark mineralisierte Strukturen hin, wie sie in Nevada häufig als Vorläufer wirtschaftlich relevanter Gangsysteme gelten. Auf dem Projekt Legal Tender wurde zudem ein lateral ausgedehntes Gangsystem mit Silber- und Basismetallcharakter über rund 1,6 Kilometer Streichlänge beschrieben, das historisch bereits durch mehrere Schächte punktuell erschlossen wurde. Skylight wiederum zeigt einen rund 1,2 Kilometer langen Goldtrend, der geologisch als potenzielles hydrothermales System interpretiert wird und zusätzliche Bohrziele generiert.
Für die nächste Phase ist ein erstes systematisches Bohrprogramm im Bereich von bis zu 2.000 Metern vorgesehen, das die identifizierten Strukturen erstmals in der Tiefe testen soll. Parallel dazu laufen Genehmigungsprozesse, die den Übergang von der Oberflächenexploration in eine strukturierte Bohrkampagne vorbereiten. Finanziell bewegt sich das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung im Bereich von rund 2 Mio. CAD weiterhin in einem sehr frühen Stadium, was den spekulativen Charakter zusätzlich unterstreicht. Zuletzt konnte über eine Kapitalmaßnahme ein Bruttoerlös von rund 612.000 CAD eingeworben werden, der vor allem in die Weiterentwicklung der Projekte und das laufende Working Capital fließt. Im aktuellen Umfeld kann bereits die Bestätigung der oberflächennahen Anomalien durch Bohrergebnisse als potenzieller Katalysator für eine deutliche Neubewertung wirken. Hochgradiges Silber könnte die zukunftsgerichtete Sichtweise komplett verändern. Höchst spannend!
FAZIT
Die Rüstungsindustrie rückt angesichts historisch hoher Auftragsbestände und einer geopolitisch dauerhaft angespannten Weltlage erneut in den strategischen Mittelpunkt der Kapitalmärkte. Gleichzeitig verschärfen strukturelle Engpässe bei kritischen Metallen wie Kupfer, Nickel und Silber die industrielle Umsetzungsseite, sodass Wachstum zunehmend zur Frage der physischen Verfügbarkeit wird. In diesem Umfeld bleibt der Investment Case für Silber als industriell getriebenes Edelmetall intakt, da es sowohl im Verteidigungssektor als auch in Elektronik- und Energiewendeanwendungen eine zentrale Rolle spielt. Gold dient nach wie vor als Wertspeicher und natürlicher Hedge gegen Krisen aller Art. Neben etablierten Large Caps gewinnen insbesondere Small Caps mit gutem Projekt-Fortschritt wie Aftermath Silver oder Rush Gold an Bedeutung, da sie im robusten als Nachfolger Rohstoffzyklus überdurchschnittliche Kursreaktionen ermöglichen. Diversifikation schützt das Portfolio vor größeren Wertausschlägen.