Zum Wochenausklang kehrt an den Märkten etwas Ruhe ein. Zuvor hatte die überraschend hohe US-Inflation die Technologiewerte weltweit kräftig belastet. Für den DAX zeichnet sich vorbörslich ein freundlicher Start ab, die Wochenbilanz läge damit bei rund zwei Prozent im Plus. Rückenwind kommt aus Asien, wo sich der Nikkei 225 und der koreanische Kospi nach ihren heftigen Einbrüchen spürbar erholen. Auch an der Wall Street hatte sich die Stimmung im Verlauf des gestrigen Handelstages wieder gedreht, weil die Renditen der US-Staatsanleihen deutlich nachgaben. Für Gesprächsstoff sorgen zudem drei Zahlenwerke aus Europa, die zeigen, dass das Geschäft rund um Rechenzentren und Energiewende kräftig läuft.
Schneider Electric profitiert vom Rechenzentrumsboom
Den stärksten Impuls liefert heute morgen Schneider Electric (ISIN: FR0000121972). Der französische Spezialist für Stromverteilung und Gebäudetechnik meldete für das dritte Quartal einen Rekordumsatz von 11,46 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt nur rund 11,13 Milliarden Euro erwartet. Das Management spricht von einer Nachfrage aus Rechenzentren, die sich mehr als verdoppelt habe, und von einem weiteren Rekord beim Auftragsbestand.
Folgerichtig hebt der Konzern seine Jahresziele zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Organisch soll der Umsatz 2026 nun um 12 bis 14 Prozent wachsen, zuvor waren 10 bis 13 Prozent angepeilt. Beim bereinigten operativen Ergebnis stellt Schneider ein Plus von 18 bis 21 Prozent in Aussicht. Damit liefert der Konzern ein Argument gegen die Sorge, der KI-Ausbau könne plötzlich abbrechen.
Aixtron und Nordex überzeugen nach Börsenschluss
Bei Aixtron (ISIN: DE000A0WMPJ6) lagen Kurs und Nachricht gestern weit auseinander. Tagsüber geriet die Aktie im weltweiten Ausverkauf der Chipwerte deutlich unter Druck. Am Abend legte der Anlagenbauer dann vorläufige Quartalszahlen vor, die sich sehen lassen können. Der Auftragseingang stieg auf etwa 275 Millionen Euro, nach 124 Millionen Euro im Vorjahr. Analysten hatten nur gut 214 Millionen Euro erwartet. Die operative Marge sprang auf rund 31 Prozent. Die Jahresprognose bestätigte das Unternehmen allerdings nur, obwohl die Bestellungen vor allem dank Lasertechnik für KI-Rechenzentren kräftig zulegten.
Auch Nordex (ISIN: DE000A0D6554) meldete sich nach Handelsschluss zu Wort. Der Windturbinenbauer steigerte den Umsatz im dritten Quartal vorläufig auf rund 2,19 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen hat sich mit rund 278 Millionen Euro mehr als verdoppelt, die Marge kletterte auf 12,7 Prozent. Deshalb hebt das Unternehmen die Spanne für die Jahresmarge auf 11,5 bis 12,5 Prozent an, nach bisher 8 bis 11 Prozent. Kritisch bleibt die Frage, wie dauerhaft dieses Niveau ist, denn die Analysten sind sich bei Nordex alles andere als einig.
Nvidia beruhigt die Debatte um KI-Finanzierung
Die Erholung der Technologiewerte hat auch mit Nvidia (ISIN: US67066G1040) zu tun. Konzernchef Jensen Huang erklärte am 15. Oktober, der Cloud-Anbieter CoreWeave brauche keine Absicherung durch Nvidia, seine Finanzlage verbessere sich vielmehr von Tag zu Tag. Nvidia ist mit rund zehn Prozent an CoreWeave beteiligt und liefert zugleich die Rechentechnik. Genau diese Verflechtung hatte zuletzt Zweifel an der Finanzierung des KI-Ausbaus genährt. Die Absicherungskosten für CoreWeave-Anleihen waren auf Rekordniveau gestiegen. Die Worte des Nvidia-Chefs beruhigen, die Grundsatzfrage nach der Finanzierung des Booms ist damit aber nicht vom Tisch. Am Nachmittag richten sich die Blicke auf die US-Industrieproduktion. Im Hintergrund schwebt die nächste Zinsentscheidung der Fed, denn eine Erhöhung gilt am Markt inzwischen als möglich.