Die Nacht hat den KI-Handel an der Wall Street neu sortiert, und das Bild fällt gemischt aus. Microsoft (ISIN: US5949181045) überzeugte nach dem US-Börsenschluss am 28. Oktober mit kräftigem Cloud-Wachstum, die Aktie zog nachbörslich an. Alphabet (ISIN: US02079K3059) verfehlte dagegen beim Gewinn die Erwartungen, das Papier verlor im späten Handel rund zehn Prozent.
In Asien belasteten die Zahlen von Samsung Electronics (ISIN: KR7005930003) die Stimmung, obwohl der Konzern einen Rekordgewinn meldete. Hierzulande prägt am Donnerstag, 29. Oktober, die Berichtssaison den Handel, allen voran Volkswagen (ISIN: DE0007664039) und Adidas (ISIN: DE000A1EWWW0). Der DAX wurde vorbörslich leicht im Plus erwartet, auf dem höchsten Stand seit etwa fünf Wochen. Die US-Notenbank Fed hatte ihren Leitzins am Mittwochabend wie erwartet nicht verändert.
Alphabet und Microsoft gehen unterschiedlich durch den KI-Boom
Microsoft steigerte den Umsatz im abgelaufenen Quartal um 19 Prozent auf 92,3 Milliarden Dollar. Die Cloud-Plattform Azure wuchs um 48 Prozent auf 33,2 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 4,89 Dollar über den rund 4,72 Dollar, mit denen Analysten gerechnet hatten. Die Investitionen erreichten einschließlich Leasing 45,2 Milliarden Dollar. Der freie Mittelzufluss, also das Geld nach Abzug der Investitionen, sank um 27 Prozent auf 18,6 Milliarden Dollar. Trotzdem honoriert der Markt, dass das Wachstum mit den Ausgaben Schritt hält.
Bei Alphabet sieht die Rechnung anders aus. Der Umsatz stieg um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden Dollar, und Google Cloud hat sich mit einem Plus von 103 Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Der Gewinn je Aktie fiel jedoch von 2,87 auf 2,12 Dollar und lag damit klar unter den Prognosen. Neben steigenden Kosten drückten Bewertungsverluste auf Beteiligungen in Milliardenhöhe. Allein im dritten Quartal investierte Alphabet 51,4 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Den Investitionsrahmen von 195 bis 205 Milliarden Dollar für 2026 bestätigte der Konzern, für 2027 kündigt er einen deutlichen Anstieg an. Der freie Mittelzufluss war negativ, die langfristigen Schulden stiegen seit Ende 2025 auf 125,1 Milliarden Dollar. Hier liegt die eigentliche Frage für Anleger: Wie lange trägt der Markt einen Ausbau, der die Kasse leert, bevor sich die Erträge zeigen?
Volkswagen schreibt rote Zahlen, Samsung scheitert an hohen Erwartungen
Volkswagen meldete für das dritte Quartal einen Verlust nach Steuern von 5,82 Milliarden Euro. Überraschend kommt das nicht. Bereits am 18. September hatte der Konzern seine Prognose gesenkt und erwartet für 2026 nur noch eine operative Marge von höchstens einem Prozent statt zuvor 4,0 bis 5,5 Prozent. Wesentlicher Grund ist eine Abschreibung von rund sechs Milliarden Euro auf den Firmenwert von Porsche, die kein Geld kostet, aber das Ergebnis belastet.
Operativ bleibt die Lage dennoch zäh. Im dritten Quartal lieferte Volkswagen 14,3 Prozent weniger Fahrzeuge aus, insgesamt 1,89 Millionen. In China brach der Absatz um 38,5 Prozent ein. Finanzchef Arno Antlitz erläutert die Zahlen ab 9 Uhr. Spannend wird, ob der Konzern sein Ziel für den Netto-Cashflow im Autogeschäft von drei bis sechs Milliarden Euro bekräftigt.
Samsung steigerte den operativen Gewinn auf 107,4 Billionen Won, fast das Neunfache des Vorjahres und 1,7 Prozent über der Marktschätzung. Der Umsatz hat sich auf 195,3 Billionen Won mehr als verdoppelt. Dennoch gab die Aktie in Seoul um knapp fünf Prozent nach. Die Chipsparte verdiente 106,5 Billionen Won, manche Investoren hatten mit fast 110 Billionen gerechnet. Zudem nahmen Anleger Gewinne mit, nachdem der Leitindex Kospi am Vortag um mehr als sechs Prozent gestiegen war.
STMicroelectronics und Adidas liefern, die EZB entscheidet
Erfreulich fiel der Bericht von STMicroelectronics (ISIN: NL0000226223) aus. Der Chiphersteller steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 17,9 Prozent auf 3,76 Milliarden Dollar, die Bruttomarge verbesserte sich um 4,1 Punkte auf 37,3 Prozent. Für das vierte Quartal stellt das Management 4,15 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, Analysten hatten im Schnitt 4,10 Milliarden erwartet. Als Treiber nennt der Konzern Rechenzentren für KI, Satellitenbetreiber und Kommunikationstechnik. Für einen Anbieter, der stark vom Auto- und Industriegeschäft abhängt, ist das ein ermutigendes Zeichen.
Adidas legt am Morgen den vollständigen Quartalsbericht vor, die Eckdaten sind seit dem 20. Oktober bekannt. Der Umsatz stieg um neun Prozent auf 7,25 Milliarden Euro, das operative Ergebnis übersprang mit 1,008 Milliarden Euro erstmals in einem Quartal die Milliardenmarke. Geholfen hat eine Erstattung von US-Zöllen über rund 200 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt Adidas nun etwa 2,5 Milliarden Euro operativen Gewinn an. Interessant werden Hinweise zu 2027 und zum schwachen Geschäft mit Lifestyle-Schuhen, wo hohe Lagerbestände und Rabatte die Branche belasten.
Um 14:45 Uhr verkündet die EZB ihren Zinsentscheid, Ökonomen rechnen mit unveränderten Sätzen. Am Abend folgt mit Amazon (ISIN: US0231351067) der nächste Tech-Riese, nach Alphabet dürfte der Blick vor allem auf Cloud-Wachstum und Investitionen fallen.