Autoaktien zwischen Skandal und Bilanzen

Die Autoaktien sind schuld! So stand es in den vergangenen Tagen zu lesen, wenn es darum ging, die derzeitigen Verluste an der Börse, insbesondere in Deutschland und einigen europäischen Indices, zu erklären. Was ja auch stimmt, denn derzeit stehen alle deutschen Autohersteller am medialen Pranger, weil ihnen die Bildung eines Kartells vorgeworfen wird.

Dabei kommen die Verdächtigungen der EU-Wettbewerbshüter zur Unzeit. Denn die Branche hat bereits durch die Betrugsvorwürfe bei Dieselmotoren alle Hände voll bei der Schadensbegrenzung zu tun. Dass die Anleger in den vergangenen Tagen die Autoaktien entsprechend wie heiße Kartoffeln fallen ließen, lag vor allem daran, dass bei möglichen Kartellstrafen derzeit noch überhaupt nicht zu überblicken ist, welche finanziellen Belastungen sich daraus ergeben könnten.

Während die Aktien heute versuchten, zumindest so etwas wie eine kleine Stabilisierung hinzubekommen (was mehr oder weniger gelang), wartet der Markt entsprechend gespannt auf die Zahlen zum zweiten Quartal. Denn von Mittwoch bis Freitag dieser Woche werden mehrere der führenden europäischen Autohersteller ihre Zahlen präsentieren.

Mit dabei werden Daimler und PSA Peugeot am Mittwoch, Fiat Chrysler und Volkswagen am Donnerstag und Renault am Freitag sein. Dies hat natürlich auch Relevanz für den Alpha Strategie, der mit Anleihen in vier der fünf Emittenten engagiert ist. Die entsprechende Bewertung der Zahlen werden wir im Brief oder hier auf der Webseite treffen, wenn sie vorliegen. Für unsere Leser als Service ein erster Einblick in die Erwartungen des Marktes:

Daimler

Für Daimler ergeben sich Umsatzerwartungen von 41,2 Milliarden Euro bei einem Ebit von 3,94 Milliarden euro im zweiten Quartal. Interessant dürfte vor allem sein, wie sich Mercedes-Benz geschlagen hat und ob die erwarteten Gewinnrückgänge im Bereich Nutzfahrzeuge überschaubar bleiben. Außerdem ist bei den Analysten noch nicht vom Tisch, dass Daimler für das Gesamtjahr seine Ebit-Prognose erhöhen könnte.

Volkswagen

Für Volkswagen wird mit einem Umsatz von 59,5 Milliarden Euro bei einem Ebit von 4,5 Milliarden Euro gerechnet. Dabei rechnen die Analysten (beispielsweise JP Morgan) mit positiven Tendenzen über alle Marken hinweg. Allerdings rechnen viele damit, dass die laufenden Kartell-Untersuchungen selbst bei positiven Zahlen die Reaktion in der Aktie begrenzen.

Fiat Chrysler

Fiat Chrysler wird mit einem Umsatz von 28,6 Milliarden Euro bei einem Ebit von 1,81 Milliarden Euro erwartet. Spannendste Frage: Wird Fiat Chrysler einen weiteren Spin-off ankündigen? Nach Ansicht beispielsweise der Citi-Analysten müsste solch ein Schritt erfolgen, damit Fiat Chrysler seine bisherigen Liquidität- bzw. Schulden-Ziele für dieses Jahr erreichen kann.

PSA Peugeot

Beim französischen Autobauer PSA Peugeot wird auf Basis der Halbjahreszahlen mit einem Umsatz von 28,3 Milliarden Euro bei einem adjustierten Nettogewinn von 1,07 Milliarden Euro gerechnet. Dies würden stabile Ergebnisse bedeuten gegenüber dem Vorjahr, wobei die Analysten darauf hoffen, dass das Unternehmen für das zweite Halbjahr einen positiveren Ausblick gibt, nachdem man eine Produktoffensive umgesetzt hat.

Renault

Renault soll auf Basis ebenfalls der Halbjahresergebnisse einen Umsatz von neuen 20,5 Milliarden Euro und ein adjustierten Gewinn je Aktie von 8,13 Euro erreicht haben. Insgesamt rechnen Analysten mit deutlich höheren Stückverkäufen und dem Ausweis von Marktanteils-Gewinnen in den meisten Märkten.